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"Unauslöschliche Narben": Italien gedenkt Opfer der Corona-Pandemie

Weltweit bereits mehr als eine halbe Million Todesopfer

Italiens Präsident Mattarella (l.) bei Trauerfeier

Mit einer Zeremonie in Bergamo hat Italien der zahlreichen Opfer der Corona-Pandemie gedacht. Das Virus habe in Italien "unauslöschliche Narben" hinterlassen, sagte Staatschef Sergio Mattarella am Sonntagabend. Weltweit stieg die Zahl der Todesopfer der Corona-Pandemie derweil auf mehr als eine halbe Million. Rund um den Globus wurden mittlerweile mehr als zehn Millionen Ansteckungen nachgewiesen.

Die Trauerzeremonie in Bergamo galt den Corona-Opfern in der gleichnamigen norditalienischen Provinz. Präsident Mattarella machte jedoch deutlich, es sei das ganze Land, das in Bergamo "gelitten hat, das verletzt worden ist, das geweint hat". 

Bergamo und andere norditalienische Gebiete waren die am schlimmsten von dem neuartigen Virus heimgesuchten Regionen Italiens. Mehr als 6000 Menschen starben allein in der Provinz Bergamo an den Folgen der Infektion, landesweit waren es bislang mehr als 34.000 Todesopfer. Die dramatischen Bilder von dutzenden an Friedhöfen aufgereihten Särgen oder von Militärkonvois zum Transport von Corona-Toten gingen um die Welt. In der schlimmsten Phase der Krise fanden in Bergamo Bestattungen unter Ausschluss der Familien statt.  

Auch an der Gedenkzeremonie am Sonntag am Friedhof Monumentale durften die Hinterbliebenen nicht teilnehmen. Ihre Zahl ist zu groß, als dass die Abstandsregeln zum Schutz vor dem Virus hätten eingehalten werden können. Nach einer Schweigeminute legte Mattarella einen Kranz nieder. "Die Epidemie hat unsere Leben verändert", sagte der Staatschef. Alle Bürger hätten Bilder im Kopf, die sie nicht mehr vergessen könnten.

Seit ihrem Beginn vor gut einem halben Jahr starben durch die Corona-Pandemie weltweit mehr als 500.000 Menschen. Bei insgesamt mehr als zehn Millionen Menschen wurde eine Coronavirus-Infektion nachgewiesen, wie eine Zählung der Nachrichtenagentur AFP auf Grundlage von Behördenangaben am Sonntagabend ergab. Damit verdoppelte sich die Zahl der registrierten Infektionsfälle seit dem 21. Mai. Allein in den zurückliegenden sechs Tagen wurde mehr als eine Million Neuinfektionen verzeichnet.

Nach wie vor ist Europa der Kontinent mit der höchsten Zahl an registrierten Corona-Toten - bis Sonntagabend waren es 196.086. Die Zahl der verzeichneten Infektionsfälle in Europa liegt bei 2,643 Millionen. 

Die Weltregion mit der zweithöchsten Zahl von registrierten Corona-Toten sind die USA und Kanada mit zusammen 134.315 Verstorbenen (bei knapp 2,643 Millionen Infektionsfällen), gefolgt von Lateinamerika und der Karibik mit 111.640 erfassten Verstorbenen (bei 2,473 Millionen Infektionen).

In der Statistik der einzelnen Länder liegen die USA sowohl bei den Toten- als auch den Ansteckungszahlen mit weitem Abstand vorn. 125.747 Todesopfer wurden dort bis Sonntag gezählt, bei 2,539 Millionen registrierten Ansteckungsfällen. An zweiter Stelle bei den verzeichneten Totenzahlen liegt Brasilien mit 57.622, gefolgt von Großbritannien (43.550), Italien (34.738) und Frankreich (29.778). In Deutschland starben nach Angaben des Robert-Koch-Instituts vom Montag 8961 an oder mit dem neuartigen Coronavirus.

Zum neuen weltweiten Epizentrum der Pandemie entwickelt sich zunehmend Lateinamerika. Fast die Hälfte der neuen Todesfälle der vergangenen sieben Tage wurde in Lateinamerika und der Karibik gezählt. Im selben Zeitrum wurden in der Regionen 400.000 Neuinfektionen verzeichnet, was mehr als ein Drittel der weltweit erfassten neuen Ansteckungsfälle war.

Der Iran meldete am Montag einen Tagesrekord bei der Zahl der Corona-Opfer: 162 Infizierte seien in vergangenen 24 Stunden gestorben, erklärte das Gesundheitsministerium in Teheran. Der bisherige Tageshöchststand von 158 Corona-Toten war Anfang April registriert worden.

Die tatsächlichen weltweiten Fallzahlen liegen nach Experteneinschätzungen wahrscheinlich um ein Vielfaches höher als in den Statistiken der Behörden verzeichnet.  

Veröffentlicht: 29.06.2020 – Quelle: Agence-France-Presse