Diabetes mellitus: Ursachen und Symptome

Frau mit Diabetes © iStock.com/Highwaystarz-Photography

Es gibt in Deutschland etwa sieben Millionen Menschen, bei denen die Diagnose Diabetes mellitus gestellt wurde – doch Schätzungen gehen von wesentlich mehr Betroffenen aus, bei denen die Erkrankung noch unerkannt ist. Je mehr Menschen von der Gefahr durch Diabetes, den Ursachen und den Symptomen wissen, desto eher können diese erkannt und Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Im Folgenden stellen wir Ihnen die Ursachen und Anzeichen der Stoffwechselkrankheit vor und erläutern Ihnen, welche Untersuchungen für die Diagnose erforderlich sind und wie die Behandlung erfolgt.

Definition: Was ist Diabetes?

Wenn von Diabetes die Rede ist, ist üblicherweise Diabetes mellitus gemeint. Diabetes mellitus ist eine chronische Störung des Zuckerstoffwechsels. Daher kommt auch die umgangssprachliche Bezeichnung "Zuckerkrankheit".

Es gibt verschiedene Formen von Diabetes mellitus, die unterschiedliche Ursachen und Symptome haben und die verschiedene Behandlungen erfordern. Die häufigsten Formen sind Diabetes Typ 1 und Typ 2, wobei Diabetes Typ 2 etwa 90 bis 95 Prozent der Fälle ausmacht. Bei beiden Erkrankungen spielt das Hormon Insulin eine wichtige Rolle.

So beeinflusst Insulin den Blutzuckerspiegel

Zucker gehört zu den Kohlenhydraten und ist ein wichtiger Energielieferant. Wir nehmen Zucker nicht nur durch Süßigkeiten zu uns, sondern vor allem in Form von Stärke, zum Beispiel in Getreide oder Kartoffeln. Im Zuge der Verdauung baut unser Körper die Kohlenhydrate ab und es entsteht Traubenzucker (Glukose). Dadurch steigt der Blutzuckerspiegel, also die Menge von Zucker im Blut, an.

Damit dieser Zucker vom Blut in die Körperzellen gelangen kann, wo die Energie gebraucht wird, benötigt man das körpereigene Hormon Insulin. Wenn die Blutzuckerkonzentration ansteigt, wird aus bestimmten Zellen der Bauchspeicheldrüse (den sogenannten Langerhanszellen) Insulin ins Blut abgegeben, das dann hilft, den Zucker in die Zellen zu transportieren und den Blutzuckerspiegel so zu senken.

Wenn die Bauchspeicheldrüse jedoch nicht mehr genügend Insulin produziert oder wenn die Zellen nicht mehr richtig auf das Insulin reagieren, dann gelangt die Glukose nicht mehr vom Blut in die Zellen. Während die Organe "verhungern", weil kein Zucker hineingelangt, ist die Zuckerkonzentration im Blut sehr hoch.

Ein Teil des überschüssigen Zuckers wird mit dem Harn ausgeschieden. Dies führt dazu, dass der Urin einen süßen Geschmack annimmt – was früher tatsächlich zur Diagnose eines Diabetes genutzt wurde. Daher rührt auch der Name der Erkrankung: Diabetes mellitus bedeutet so viel wie "honigsüßer Durchfluss".

Formen und Ursachen von Diabetes

Diabetes mellitus kann unterschiedlichste Ursachen haben. Folgende Formen des Diabetes werden – abhängig von der jeweiligen Ursache – unterschieden:

  • Beim Typ-1-Diabetes werden die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse (Beta-Zellen) meist bereits in Kindheit oder Jugend durch einen Immunprozess (also eine Autoimmunerkrankung) zerstört – wegen dieses frühen Auftretens spricht man auch vom juvenilen Diabetes. Bei dieser Form des Diabetes besteht ein sogenannter absoluter Insulinmangel.
  • Typ-2-Diabetes ist meist eine Folge von Übergewicht, Bewegungsmangel und ungesunder Ernährung. Diese Form entwickelt sich nach und nach aus einer entstehenden Insulinresistenz und wird verharmlosend auch Altersdiabetes genannt. Das sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch jüngere Erwachsene diese Form des Diabetes entwickeln können.
  • Unter der inoffiziellen Bezeichnung Typ-3-Diabetes wird eine sehr unterschiedliche Gruppe verschiedener und sehr seltener Formen von Diabetes zusammengefasst. Ursachen sind hierbei:
    • genetische Defekte der Beta-Zellen, welche die Ausschüttung von Insulin behindern (MODY-Formen)
    • genetische Defekte der Insulinwirkung (zum Beispiel Rabson-Mendenhall-Syndrom)
    • Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse (zum Beispiel chronische Pankreatitis oder zystische Fibrose)
    • hormonelle Störungen (beispielsweise Cushing-Syndrom oder Akromegalie)
    • Medikamente oder Chemikalien (zum Beispiel Kortikoide oder eingenommene Schilddrüsenhormone)
    • Infektionen (etwa Cytomegalie)
    • ungewöhnliche Formen des immunvermittelten Diabetes (zum Beispiel Insulin-Autoimmun-Syndrom)
    • andere genetische Ursachen (zum Beispiel das Wolfram-Syndrom oder Down-Syndrom)
  • Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) ist ein Diabetes, der – wie sein Name schon andeutet – in der Schwangerschaft erstmalig diagnostiziert wird, unabhängig davon, ob die Krankheit schon vorher unerkannt bestand. Dabei handelt es sich meist um Diabetes Typ 1 oder Typ 2.
  • LADA (latent autoimmune diabetes in adults) ist eine Sonderform des Diabetes Typ 1, die verzögert eintritt und nur bei Erwachsenen vorkommt. Häufig wird sie im Anfangsstadium für Diabetes Typ 2 gehalten und entwickelt erst nach und nach die typischen Besonderheiten eines Diabetes Typ 1.

Was löst Diabetes Typ 2 aus?

Typ-2-Diabetes ist die häufigste Form des Diabetes mellitus. Seine Entstehung wird in vielen Fällen vom eigenen Lebensstil beeinflusst: Oft ist der Auslöser eine Kombination aus ungesunder Ernährung, zu wenig Bewegung und Übergewicht.

Das Übergewicht führt dazu, dass die Organe immer mehr Insulin benötigen, bis sie den Blutzucker in die Zellen hineinlassen. Man spricht von Insulinresistenz, einem wichtigen Vorboten des Diabetes mellitus. Gleichzeitig führt die jahrelange Überproduktion von Insulin, die der erhöhte Bedarf mit sich bringt, zu einer Art "Erschöpfung" der insulinproduzierenden Zellen. Das heißt, es wird zwar noch Insulin produziert, aber nicht ausreichend. Fachleute sprechen daher von einem relativen Insulinmangel.

Zu den Risikofaktoren zählen neben den genannten Faktoren auch Rauchen, erhöhter Blutdruck und erhöhte Blutfettwerte. Doch auch eine genetische Vorbelastung, ein höheres Alter oder bestimmte Medikamente (zum Beispiel Kortison) können eine Rolle bei der Entstehung der Krankheit spielen. 

Symptome und Anzeichen bei Diabetes

Das frühzeitige Erkennen eines Diabetes ist wichtig, um eine entsprechende Behandlung zu beginnen und Folgeerkrankungen zu vermeiden. Doch wie erkennt man Diabetes?

Mögliche Anzeichen oder Symptome von Diabetes sind:

  • übermäßiger Durst
  • vermehrter Harndrang und das Ausscheiden großer Harnmengen – vor allem nachts
  • eine Neigung zu Infekten, zum Beispiel Harnwegsinfekten
  • Heißhunger
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Leistungsabfall
  • schlecht heilende Wunden
  • trockene und juckende Haut
  • schwere Beine
  • übermäßiges oder vermindertes Schwitzen

Der Typ-2-Diabetes entwickelt sich meist langsam über Jahre, beim Typ-1-Diabetes kommt es eher innerhalb von Wochen zum Ausbruch der Erkrankung. Bei dieser Form der Erkrankung kann es außerdem zu einer unerklärlichen Gewichtsabnahme und Magen-Darm-Problemen kommen.

Was passiert, wenn ein Diabetes nicht erkannt wird?

Wird ein Diabetes nicht bemerkt oder nicht ausreichend behandelt, kann der dauerhaft erhöhte Blutzucker schwere Komplikationen zur Folge haben. So kann es durch den Insulinmangel beispielsweise zum diabetischen Koma mit Übelkeit, Erbrechen und Bewusstlosigkeit kommen.

Durch den hohen Blutzuckergehalt entwickeln sich zudem mit der Zeit Schädigungen der Gefäße, durch welche die Augen, die Füße, das Herz, die Nieren, oder andere Organe teils unwiederbringlich Schaden nehmen können. Diabetiker haben daher ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Erkrankungen wie Nervenschädigungen, Schlaganfällen, Herzinfarkten, Nierenversagen, Bluthochdruck oder erektiler Dysfunktion.

Schwangerschaftsdiabetes führt vor allem zu einer Gefährdung des Kindes, außerdem kann sich daraus eine sogenannte Schwangerschaftsvergiftung (Gestose) entwickeln.

Problematisch an Diabetes ist die meist langsame Entwicklung über die Insulinresistenz. Dabei werden viele innere Organe bereits in Mitleidenschaft gezogen, während die Erkrankung noch gar nicht bekannt oder die Symptome und Anzeichen noch nicht offensichtlich sind.

Ausführliche Informationen über die möglichen Folgen eines Diabetes lesen Sie in diesem Artikel. Hier informieren wir Sie außerdem über den Verlauf von Diabetes mellitus.

Therapie erfordert nicht immer Insulin

Die Vielzahl an möglichen Folgeerkrankungen zeigt, wie wichtig eine Therapie des Diabetes ist. Die Behandlung ist jeweils abhängig von der Ursache und Form der Erkrankung.

Bei Typ-1-Diabetes ist es lebenslang erforderlich, Insulin zu spritzen. Bei Diabetes Typ 2 zählt eine Umstellung der Ernährung und der Lebensgewohnheiten, beispielsweise in Form von mehr Bewegung, zu den wichtigsten Maßnahmen. Darüber hinaus können Tabletten (sogenannte Antidiabetika) und Insulin helfen, die Blutzuckerwerte zu senken.

Diabetes Typ 2 vorbeugen: Das können Sie tun

Nicht allen Formen von Diabetes kann man vorbeugen. Doch in Bezug auf die häufigste Form, den Typ-2-Diabetes, gilt ein gesundheitsbewusster Lebensstil als wichtigste Maßnahme, um das Diabetesrisiko zu senken.

Folgende Tipps sind zur Prävention von Diabetes Typ 2 geeignet:

  1. Vermeiden Sie Übergewicht und sagen Sie vor allem vorhandenem Bauchfett den Kampf an.
  2. Bewegen Sie sich: Bereits 30 bis 60 Minuten Sport täglich helfen, Ihre Gesundheit zu verbessern.
  3. Ernähren Sie sich gesund. Reduzieren Sie vor allem Ihren Konsum von Fett (insbesondere tierischen Fetten), Zucker, Salz, Softdrinks sowie Alkohol und greifen Sie stattdessen zu Ballaststoffen (etwa in Obst, Gemüse und Vollkornprodukten), Fisch und Omega-3-Fettsäuren (beispielsweise in Leinöl oder Hering).
  4. Schlafen Sie ausreichend und sorgen Sie für genug Entspannung, denn Schlafmangel und Stress können die Blutzuckerwerte negativ beeinflussen.
  5. Vermeiden Sie Bluthochdruck, denn dieser erhöht in Kombination mit Diabetes das Risiko von Folgeerkrankungen.
  6. Verzichten Sie aufs Rauchen, da es sich negativ auf den Stoffwechsel auswirkt.
ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
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Aktualisiert: 12.10.2020 - Autor: Nathalie Blanck; überarbeitet: Silke Hamann

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